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 Betreff des Beitrags: Katalonien
BeitragVerfasst: 04.10.2017 09:53 
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Registriert: 07.05.2008 22:32
Beiträge: 2674
Die Katalanen wollen selbstständig werden, Spanien will das mit allen Mitteln, auch gewaltsam, verhindern.
Und ihre Vertretungen stehen sich momentan ziemlich unversöhnlich gegenüber, etwas, was die katalonische Bevölkerung so nicht will.
2 Hardliner, oder auch: politische Primaten, schlagen sich auf die Brust, um den jeweils anderen einzuschüchtern.
Soweit das Bild, das sich bietet.
Wer den Unabhängigkeitswunsch der Katalanen verstehen will, muss nur in die jüngere Geschichte schauen.
Zuerst war Katalonien ein Spielball zwischen Frankreich und Spanien, so wie wir das aus Elsass-Lothringen kennen, oder auch Polen.(D/F bzw.D/RUS)
In den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Katalonien immer wieder von Madrid aus mit Polizei-und Militäraktionen überzogen, sobald sie etwas mehr Eigenständigkeit wünschten. Die Herrscher sahen die Region als ihr Schatzkäschen an, das ihnen die Kasse füllt.
Kaum hatten sie 1931 mal eine gewisse Autonomie erhalten, wurde diese ausgesetzt, was zum Erstarken der anarchistischen Bewegung führte.
Katalonien war eine der industriealisiertesten Gegenden Europas, die Arbeiter und auch die Bauern waren die Basis dieser Bewegung (CNT/FAI)
Während des Bürgerkrieges 1936–1939 war Katalonien,vor allem Barcelona Schauplatz der einzigen erfolgreichen anarchistischen Revolution weltweit.
(Wer genaueres wissen will, lese Enzensbergers "Der kurze Sommer der Anarchie")
Der Sieg der Faschisten war dem Umstand zu verdanken, dass die internationalen Brigaden der Sozialisten, angeführt von Stalins Getreuen, sich mehr damit beschäftigten, die Anarchisten zu bekämpfen, als den gemeinsamen Feind, die Francisten, auch die deutschen Teilnehmer der Brigaden vefolgten Stalins Linie.
Franco überzog die Region nach seiner Machtübernahme mit einer Repression nach der anderen, Tausende kamen ins Gefängnis,
mindestens Hunderte wurden durch die Garotte hingerichtet, die letzten Ende der siebziger Jahre.
Nach dem Ende der Franco Diktatur erhielt Katalonien weitgehende Autonomie mit eigener Finanzverwaltung, eigener Polizei, eigener Regierung.
In den letzten Jahren hat die Regierung Rajoy alles daran gesetzt, diese immer weiter einzuschränken und dem Reglement aus Madrid unterzuordnen
Das führte zum Wachsen der Autonomiebewegung, die Katalanen wollen nicht mehr ein Anhängsel Madrids sein.
Ursprünglich wollten sie einen Verbund mit Spanien erreichen, gemeinsame Aussenpolitik, gemeinsame Präsenz in Europa,
das wurde aber von der konservativen Madrider Regierung blockiert, was letztendlich zum Referendum führte.
Nach der letzten Nationalwahl, als die katalanischen Konservativen (Junts pel Sí (JxSí)) die Regionalregierung übernahmen, wurde zunehmend der Ton härter und unversöhnlicher.
Eines der zentralen Wahlversprechen war die Durchführung des Referendums, auch gegen den Willen der Zentralregierung.
Die Madrider Regierung und auch das Königshaus mit der Rede gestern haben da noch eher Öl ins Feuer gegossen.
Würden diese auch nur ein bisschen Souveränität besitzen, hätten sie das Referendum durchführen lassen und sich mit Argumenten daran beteiligt, statt mit Machtinstrumenten versuchen das zu verhindern.
Das war das politisch Dümmste, was passieren konnte und Wasser auf die Mühlen der Hardliner.
Der FC Barcelona ist übrigens eine der Ikonen der katalanischen Idendität, und hat das Referendum immer unterstützt.
Man darf gespannt sein, wie das weitergeht......

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Frei nach Didi: "Wollen hätten wir auch schon gewollt, aber können haben wir nicht gekonnt .... "


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 Betreff des Beitrags: Re: Katalonien
BeitragVerfasst: 04.10.2017 09:59 
Wupperbohemian
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Registriert: 05.06.2008 11:05
Beiträge: 12354
"Mehr Rechte für die Regionen in Europa" wird wohl der Ausweg sein müssen, aber dfas ist noch in weiter Ferne. Die Situation wird sich noch weiter verschärfen, da beide Seiten weiter auf Konfrontation setzen. Viele Katalanen wollen ja gar keine totale Separierung. Das hätten die Zentralspanier besser lösen können, als mit Polizeigewalt.

_________________
Rene Weiler: „Der Club wird aufsteigen, ich weiß nur nicht wann“


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 Betreff des Beitrags: Re: Katalonien
BeitragVerfasst: 04.10.2017 10:07 
Moderator
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Registriert: 07.05.2008 22:32
Beiträge: 2674
Ich kenne viele Katalanen, die nur den Kopf schütteln ob dieser Situation, sie sind halt allergisch gegen Gängeleien aus Madrid,
was man ja aufgrund der Geschichte absolut verstehen kann.
Und Rajoy, die politische Ünfähigkeit in Person, wird da auch nicht einlenken, es kann nur über eine europäische Initiative gehen, da ist vor allem auch Deutschland gefordert.

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Frei nach Didi: "Wollen hätten wir auch schon gewollt, aber können haben wir nicht gekonnt .... "


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 Betreff des Beitrags: Re: Katalonien
BeitragVerfasst: 04.10.2017 10:12 
Wupperbohemian
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Registriert: 05.06.2008 11:05
Beiträge: 12354
Deutschland? Merkel?

Nee, die sind jetzt bis zum Frühjahr erst einmal mit sich selbst beschäftigt.
Da kommt nix vernünftiges in der nächsten Zeit bei raus.

Leider hat der König sich zu "rechtsstaatlich" positioniert, um hier intern vermitteln zu können. Das war extrem unklug. Da wird wohl de EU um Juncker tätig werden müssen, aber nicht das unfertige "Jamaika-Projekt"

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Rene Weiler: „Der Club wird aufsteigen, ich weiß nur nicht wann“


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 Betreff des Beitrags: Re: Katalonien
BeitragVerfasst: 04.10.2017 10:16 
Moderator
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Registriert: 07.05.2008 22:32
Beiträge: 2674
Nein, das Merkel meinte ich nicht, auch nicht die mögliche Jamaika Koalition.
Es bedarf einer Initiative von Politikern wie z.B. Steinmeier, Gauk, und ähnlicher Kaliber, unabhängig der jeweiligen politischen Konstellation.

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Frei nach Didi: "Wollen hätten wir auch schon gewollt, aber können haben wir nicht gekonnt .... "


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 Betreff des Beitrags: Re: Katalonien
BeitragVerfasst: 04.10.2017 16:38 
Kapitän
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Registriert: 18.09.2014 14:58
Beiträge: 1071
Plz/Ort: 76706 Dettenheim
Habe gestern die Rede des Königs mit Kopfschütteln verfolgt. So baut man keine Brücken, sondern tut Gräben auf.
Wir brauchen keinen weiteren Herd für Gewaltpotenzial in Europa!

Bin mal gespannt wie sich die EU und namhafte deutsche Politiker "offiziell" positionieren.


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